Leitfaden im Umgang mit sexuellem Missbrauch

  1. Verdacht auf Missbrauch - Was kann ich tun?
  2. Regeln professionellen Handelns
  3. Internet - Umgang mit dem www
    1. Wie schütze ich mein Kind im Internet
    2. Interessante Links
    3. Allgemeine Verhaltenshinweisen für Kinder

1. Verdacht auf Missbrauch - Was kann ich tun?

Bewahren Sie Ruhe. Sexueller Missbrauch erfordert ein behutsames und vorsichtiges Vorgehen. Sie sind weder zur Anzeige bei der Polizei noch zur Meldung beim Jugendamt verpflichtet. Die Bedürfnisse und Interessen der Betroffenen sollten Maßstab für Ihr Handeln sein. Entscheiden Sie deshalb nichts über den Kopf des Mädchens oder Jungen hinweg.

Tragen Sie zusammen, auf welche Beobachtungen und Auffälligkeiten sich Ihre Vermutungen gründen und halten Sie diese schriftlich fest. Notieren Sie auch zukünftig besondere Verhaltensweisen, Äußerungen und Handlungen des Mädchens oder Jungen.

Setzen Sie sich mit Ihren eigenen Unsicherheiten und Gefühlen auseinander. Was ängstigt Sie? Welche Gefühle löst der Verdacht in Ihnen aus?

Suchen Sie fachkompetente Unterstützung in einer der unter dem LinkInformation angegebenen Beratungsstellen. In der Beratung können Sie sich mit Ihren eigenen Zweifeln, Ängsten und Unsicherheiten auseinandersetzen. Sie entscheiden, wie viel Hilfe und Unterstützung Sie brauchen.

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2. Regeln professionellen Handelns

Bei Verdacht oder Kenntnis von sexueller Gewalt sind oft auch professionelle Helferinnen und Helfer betroffen, bestürzt, unsicher und manchmal sogar hilflos.

Die Kenntnis von sexuellem Missbrauch an einem Kind oder Jugendlichen - in der Regel reicht schon der Verdacht aus - erzeugt bei der/dem Helfenden Handlungsdruck. Handlungsdruck verleitet zu überstürzten und unüberlegten Interventionen Die Erfahrungswerte der letzten Jahre in Deutschland belegen, dass die Hilfsinterventionen der unterschiedlichsten Fachdienste und Beratungsstellen Mängel aufgezeigt haben. Das führte dazu, dass die Arbeitsergebnisse sowohl für die Betroffenen als auch für die Helferinnen und Helfer oft unbefriedigend ausfielen. Als positive Gegenreaktion wurden Standards der professionellen Arbeit im Umgang mit sexueller Gewalt erarbeitet.

1. Kein vorschnelles Handeln

Wenn überstürzt und unüberlegt gehandelt wird (z.B. ein sofortiges Gespräch mit den Betroffenen und/oder den Eltern/dem Täter/der Täterin) sind die Beteiligten häufig überfordert und verschließen sich. Weitere Interventionen werden erschwert oder sogar unmöglich gemacht.

2. Geplantes und koordiniertes Vorgehen

Ziel des Vorgehens ist es, konkrete Beweise zu erhalten, um die Beendigung des sexuellen Missbrauchs zu erreichen. Es muss klar definiert werden WER für WAS verantwortlich ist. Unter Beachtung der Schweigepflicht sollten alle Beteiligten über den gleichen Kenntnisstand verfügen.

3. Keine Alleingänge

Es ist notwendig sich an die getroffenen Absprachen zu halten, um den Schutz des Betroffenen nicht zu gefährden.

4. Strategie schriftlich festhalten

Um Missverständnisse und Verwirrungen vorzubeugen ist es notwendig, die vereinbarte Vorgehensweise schriftlich festzuhalten.

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3. Internet – Umgang mit dem www

Das Internet bietet, neben vielen Möglichkeiten der Kommunikation, leider auch einige Gefahren und Risiken insbesondere für Kinder und Jugendliche. So versuchen zum Beispiel immer mehr pädosexuelle Täter über das Internet mit potentiellen Opfern in Kontakt zu treten. Dabei kommt ihnen entgegen, dass Kinder und Jugendliche sehr viele persönliche Informationen ins Netz stellen und überwiegend allein „online“ gehen. Nicht selten surfen sie dabei unter ihrem richtigen Namen. In der Überzeugung, mit Tastatur und Maus alles unter Kontrolle zu haben, glauben Kinder und Jugendliche sich insbesondere in der scheinbar gesicherten häuslichen Umgebung vor Gefahren aus dem Netz geschützt.

Oft geben sich Täter und Täterinnen dabei als Kinder oder Jugendliche aus, teilweise aber auch als verständnisvolle Erwachsene. Unter Verschleierung ihrer wahren Absichten nehmen sie Kontakt zu ihren ahnungslosen Opfern auf.

Manchmal bauen sie zunächst ein Vertrauensverhältnis auf, mit dem sie auch ein Treffen in der realen Welt vorbereiten. Sehr häufig erfolgt der sexuelle Missbrauch jedoch unmittelbar nach der Kontaktaufnahme.

Was Tätern und Täterinnen sexuellen Missbrauch erleichtert, ist aber nicht nur die „Unwissenheit“ ihrer Opfer, sondern auch die vieler Erwachsener.

Tathandlungen im Einzelnen:

Mädchen und Jungen werden verbal belästigt, indem sie z.B. in Chatdialoge über

  • sexuelle Praktiken verwickelt werden
  • Täter versenden pornografisches Material an ahnungslose Kinder
  • Täter führen exhibitionistische Handlungen vor einer Webcam durch und/oder übertragen diese Aufnahmen auf den Bildschirm des Opfers
  • Täter organisieren Verabredungen zu realen Treffen mit Mädchen und Jungen, um sie zu missbrauchen etc.

Einige sehr wirkungsvolle Tipps für Eltern und Kinder sind nachfolgend aufgeführt.

3.1. Wie schütze ich mein Kind im Internet

  • Lernen Sie selbst den Umgang mit dem PC und dem Internet kennen
  • Probieren Sie gemeinsam mit ihrem Kind aus, wie es sich gegen sexuelle Belästigungen wehren kann
  • Sorgen Sie dafür, dass keine persönlichen Daten (Bilder) auf Webseiten von Schulen oder Vereinen sind
  • Geben Sie klare Regeln zum Umgang mit dem Internet vor, aber erteilen Sie kein Chatverbot
  • Vermeiden Sie das Aufstellen von Webcams
  • Installieren Sie den Internetzugang an einem zentralen Ort außerhalb des Kinderzimmers
  • Beschränken Sie die Chatzeiten auf z.B. maximal eine Stunde am Tag für ein 12jähriges Kind

 

So können Sie Gespräche im Chat speichern:
Wenn Sie gleichzeitig die Alttaste und die Drucktaste drücken, erstellen Sie ein Abbild des Chatfensters. Dieses Bild können Sie durch Strg+V in Word oder ein Grafikprogramm einfügen und speichern.
ABER: Speichern Sie niemals kinderpornografisches Material

3.2. Interessante Links:

www.klicksafe.de
www.jugendschutz.net
www.internet-beschwerdestelle.de
www.kindersindtabu.de
www.polizei-beratung.de

3.3. Verhaltenshinweise für Kinder

  • Chatte am Anfang nicht alleine!
  • Denk Dir einen guten Fantasienamen aus!
  • Verrate nie Deine Adresse, Telefonnummer und Deinen Nachnamen!
  • Schicke niemandem Dein Bild!
  • Triff Dich nie alleine mit Leuten aus dem Chat!
  • Mit Fremden nicht gleich „flüstern“!
  • Gib nicht zuviel Persönliches über Dich, Deine Eltern oder Freunde preis!.
Werde misstrauisch, wenn..
  • Dich jemand zu irgendetwas überreden oder zwingen will
  • jemand schweinische Wörter benutzt
  • jemand Dir großzügige Geschenke anbietet
  • Dir jemand anbietet in einem Film mitzuspielen, als Model zu arbeiten oder ähnliches
  • jemand von Dir Fotos machen will
  • Dich jemand heftig umschmeichelt oder übertriebene Komplimente macht
  • jemand hauptsächlich über Dein Aussehen und Deinen Körper reden will
  • jemand über Sex spricht, Dir sexuelle Dinge von sich erzählt oder nach Deinen sexuellen Erfahrungen fragt
  • Dich jemand gegen Deine Eltern aufhetzen will
  • Dir jemand Geheimnisse erzählt oder verlangt, dass Du niemand etwas weitersagen darfst

 

Dich jemand fragt:

  • ob Du alleine zuhause/ vor dem PC bist
  • welche Kleidung du trägst
  • welche Körbchengröße Du hast
  • ob Du einen Freund hast
  • ob Du schon mal etwas mit einem Jungen hattest
  • ob Du Lust hast auf Privat-Chat/ CS/TS, ein Realtreffen
  • ob es schlimm ist, dass er schon so alt ist

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