Rechtliche Fragen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch

  1. Zivilrechtliche Aspekte
  2. Strafrechtliche Aspekte

 

1. Zivilrechtliche Aspekte

Bei der Arbeit mit sexuellem Missbrauch muss an erster Stelle der Schutz des Mädchens und des Jungen vor dem Täter stehen. Übernehmen die Erziehungsberechtigten oder einer von ihnen Verantwortung für das Kind und tragen sie Sorge dafür, dass Opfer und Täter auf Dauer getrennt sind, ist der Schutz gewährleistet.

Wird deutlich, dass von den Erziehungsberechtigten nur unzureichend Sorge für das Kind getragen wird, d.h. der Täter immer wieder Zugriff auf das Kind hat, muss von Amts wegen Sorge für das Wohl des Kindes übernommen werden.

Der Vormundschafts- bzw. Familienrichter kann durch einstweilige Anordnung die Trennung des Opfers vom Täter erwirken, notfalls, bei fehlender Mitarbeit der Sorgeberechtigten, durch Entzug der elterlichen Sorge bzw. des Aufenthaltsbestimmungsrechts

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2. Strafrechtliche Aspekte

Die Konsequenzen einer Strafanzeige für das Opfer sollten genau überlegt und möglichst mit dem Kind/Jugendlichen selbst besprochen werden. Vor Gericht ist die Zeugenaussage des Opfers von entscheidender Bedeutung. Die zwangsläufig sehr detaillierte Befragung stellt unter Umständen eine große psychische Belastung dar. Die Entscheidung für eine Strafanzeige sollte getroffen werden, wenn Sie sicher sind, dass dies im Interesse des Opfers ist.

Sexueller Missbrauch von Kindern (§176 Strafgesetzbuch -StGB) und sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen (§174 StGB) sind Straftaten, die zur Anzeige gebracht werden können, aber nicht müssen.

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendämtern oder sozialen Diensten sind nicht dazu verpflichtet. Professionelle Helferinnen und Helfer haben jedoch dafür zu sorgen, dass das betroffene Mädchen oder der betroffene Junge vor weiteren sexuellen Übergriffen geschützt werden. Sonst kann ihnen der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung gemacht werden (§323 StGB).

Unabhängig von der rechtlichen Verpflichtung sollten sich Erwachsene moralisch verpflichtet fühlen, bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch nicht wegzuschauen, sondern mit dafür zu sorgen, dass ein Kind, oder eine Jugendliche oder ein Jugendlicher adäquate Unterstützungsmöglichkeiten und Schutzmaßnahmen bekommt.

Wenn Sie Interessenvertreter des Opfers oder selbst Opfer von sexuellem Missbrauch sind, ist zu empfehlen, dass Sie sich bereits vor einer Anzeigenerstattung durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt beraten lassen.

Zu bedenken ist auch, dass eine Strafanzeige nicht zurückgenommen werden kann. Da es sich bei sexuellem Missbrauch von Kindern um ein Offizialdelikt handelt, müssen Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Tathandlungen sexueller Missbrauch allgemein können sein:

  • Vornehmen sexueller Handlungen an einem Kind
  • Vornehmen sexueller Handlungen vor einem Kind
  • ein Kind dazu bestimmen, dass es sexuelle Handlungen an sich, an einem Dritten oder vor einem Dritten vornimmt

Das Gesetz schreibt für diese Delikte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren als Strafmaß fest. In besonders schweren Fällen ist auf eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr zu erkennen.

Tathandlungen sexueller Missbrauch im Internet können sein:

  • Einwirken auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen
  • Einwirken auf ein Kind durch Schriften (z.B. im Chatraum), um es zu sexuellen Handlungen zu bewegen
  • Einwirken auf ein Kind, um sich mit ihm zu sexuellen Handlungen zu verabreden

Das Gesetz schreibt für diese Delikte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren als Strafmaß fest.

Die Verjährungsfrist bei allen o.a. Straftaten beginnt erst mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers.

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