Die Täter

  1. Zahlen und Fakten
  2. Hilfen für jugendliche Straftäter
    1. Arbeitsablauf
    2. Ansprechpartner
  3. Sozialtherapeutische Anstalt (SothA Ge)
    1. Ansprechpartnerin

1. Zahlen und Fakten

Die Täter von sexualisierter Gewalt sind keine homogene Gruppe. In der Mehrzahl sind sie männlich. Bei den bei der Polizei angezeigten Fällen sind die Tatverdächtigen in ca. 95 bis 98 % der Fälle Männer oder männliche Jugendliche.
Wenn man die Fälle, die nicht zur Anzeige kommen und die Dunkelziffer mit berücksichtigt, wird davon ausgegangen, dass bis zu 20 % der sexuellen Übergriffe von Frauen allein oder als Mittäterinnen begangen werden.

Viele dieser Frauen missbrauchen – ebenso wie die Männer – im Laufe ihres Lebens zwei oder mehr Kinder. Frauen missbrauchen häufiger Mädchen als Jungen und suchen ihre Opfer in der Regel unter den Kindern, die ihnen am nächsten stehen.

Die Täter und Täterinnen kommen mit 10 bis 20 % aus der unmittelbaren Familie des Opfers. Es handelt sich also um Väter, Stiefväter, Brüder, im Haushalt lebende Opas aber auch Mütter und Schwestern. Der größte Teil kommt aus dem sozialen Nahbereich – z. B. Verwandte, die nicht in der Familie leben, Bekannte, Pädagogen, und Babysitter. In lediglich ca. 6 % der Fälle ist der Täter oder die Täterin dem Kind oder Jugendlichen unbekannt.

Pädosexuelle Täter sind fast ausschließlich durch Kinder vor der Pubertät sexuell ansprechbar. Der Anteil dieser Tätergruppe am sexuellen Missbrauch ist auch von Experten schwer abzuschätzen.

Bei justizbekannten Übergriffen liegt er wohl in der Größenordnung von 40 bis 50 %. Einmal straffällig gewordene Pädophile unterliegen einem hohen Rückfallrisiko.
Internationale Studien haben ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Übergriff mit bis zu 80 Prozent um ein Vielfaches höher ist als bei anderen Sexualstraftätern.

Etwa ein Drittel aller Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern wird von kindlichen oder jugendlichen Tätern verübt. Die Mehrzahl der jugendlichen Täter fällt bereits als Kind durch sexuelle Übergriffe gegenüber Gleichaltrigen und Jüngeren auf.

Die Kriminalstatistik belegt, dass es eine große Anzahl an Mehrfach- und Wiederholungstätern gibt.

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2. Hilfen für jugendliche Straftäter

Ambulante erzieherische Hilfen für jugendliche Sexual(straf)täter. Ein besonderes Angebot der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen

Therapeutische Angebote für Kinder und Jugendliche, die durch sexuelle Grenzverletzungen oder Sexualdelikte aufgefallen sind, sind mittlerweile integraler Bestandteil der Prävention von sexuellem Missbrauch.

In der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen wurde 1996 ein ambulantes Behandlungsprogramm für jugendliche Täter entwickelt. Innerhalb der breit gefächerten Angebotspalette der Beratungsstelle ist die Therapiegruppe für Kinder und Jugendliche, die durch sexuelle Übergriffe aufgefallen sind, inzwischen fest verankert.
In den Jahren 2001 – 2004 wurde die Arbeit vom Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW als Modellprojekt gefördert und wissenschaftlich begleitet. Die wissenschaftliche Begleitung diente einerseits der Evaluation der fachlichen Arbeit und sollte darüber hinaus Aufschlüsse über die Entstehungsbedingungen sexuell devianten Verhaltens liefern.

„Nicht nur Erwachsene, sondern auch ältere Kinder und Jugendliche üben sexuelle Gewalt aus. Je früher wir uns um sie kümmern, desto wirkungsvoller wird verhindert, dass sie weitere Sexualstraftaten begehen. Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche, die wegen sexueller Übergriffe aufgefallen sind, sofort intensiv betreut werden. Sie müssen das Unrecht ihrer Tat einsehen und begreifen, welche Verletzung sie ihren Opfern zugefügt haben. Andernfalls ist eine Karriere als Sexualstraftäter meist vorgezeichnet.“

Birgit Fischer (Juni 1998 bis November 2003 nordrhein-westfälische Ministerin für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit, von November 2002 bis Juni 2005 Ministerin für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie.)

In den Jahren 2005 – 2006 wurden die Jugendlichen, die im Rahmen des Modellprojekts behandelt wurden, nachuntersucht. Es wurde geprüft, ob sie längerfristig sozial integriert sind und straffrei leben. Die Ergebnisse dieser Katamneseuntersuchung werden im Jahr 2008 veröffentlicht.

Die Gruppenarbeit ist der zentrale Baustein der Arbeit. Begleitend finden Beratungskontakte mit Eltern und Erziehungsberechtigten statt. Die Kooperation mit Jugendgerichtshilfe, Schulen und allen beteiligten Helfern ist fester Bestandteil der Arbeit.

Arbeitsablauf

Zunächst wird in einer der Behandlung vorgeschalteten Klärungsphase geprüft, ob das Angebot der Beratungsstelle für den Jugendlichen geeignet ist und Aussicht auf Erfolg hat. In Gesprächen mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten wird der Auftrag geklärt. Eine Abstimmung mit allen beteiligten Kooperationspartnern ist erforderlich.
Zur Einschätzung des Rückfallrisikos wird dann eine umfangreiche Diagnostik durchgeführt.

Je nach Ergebnis der Risikoabschätzung wird entweder die Teilnahme am ambulanten Behandlungsprogramm befürwortet oder eine stationäre Behandlung empfohlen.
In besonderen Fällen können auch therapeutische Einzelkontakte angeboten werden.

Eine rechtzeitige Intervention bei sexuell auffälligen Kindern und Jugendlichen hat die besten Aussichten auf Erfolg und ist ein wichtiges Element für den Opferschutz.

Diagnostik

  • Tatbezogene Diagnostik
  • Familienanamnese
  • Persönlichkeitsdiagnostik
  • Leistungsdiagnostik

Rückfallprophylaxe

  • Deliktaufarbeitung
  • Persönlichkeitsförderung
  • Sexualpädagogik
  • Aufarbeitung eigener Gewalterfahrungen
  • Individueller Rückfallplan
Ansprechpartner:

Rainer Kulessa
Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen
Rotthauser Str. 48
45879 Gelsenkirchen
Telefon: 0209 38 94 86-0
Fax: 0209 38 94 86-12
E-Mail: beratungsstelle-fuer-kinder@gelsennet.de

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3. Sozialtherapeutische Anstalt (SothA Ge)

Die Sozialtherapeutische Anstalt Gelsenkirchen (SothA Ge) besteht seit Januar 1975 und ist eine Behandlungseinrichtung des geschlossenen Strafvollzuges.
Sie hat inzwischen 57 Haftplätze eingerichtet.

Das Generalziel der SothA besteht darin, „mit geeigneten besonderen Mitteln und sozialen Hilfen“ (vgl. § 9 StVollzG) Gefangene zu befähigen, „künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen“ (§ 2 Satz 1 StVollzG)

Die Sozialtherapeutische Anstalt ist therapeutisches Milieu und Gefängnis zugleich.
Behandlungsziele sind u.a.:

  • Bearbeitung von irrationalen und antisozialen Einstellungen
  • Verbesserung sozialer Kompetenz und Selbstbehauptung
  • Entwicklung von Opferempathie
  • Förderung von konstantem Arbeits- und Leistungsverhalten
  • Entwicklung realistischer Lebenspläne.

Die in der Sozialtherapeutischen Anstalt Gelsenkirchen aufgenommenen Gefangenen werden in 6 Wohngruppen untergebracht. Diese bilden den vorübergehenden Lebensmittelpunkt und das soziale Lernfeld. Weitere Behandlungselemente sind einzel- und gruppentherapeutische Maßnahmen, Ausbildung und Schule sowie Vollzugslockerungen. Durch diese Maßnahmen lernen die Gefangenen, sich mit ihrer Straftat, der Form ihrer Beziehungsgestaltung, ihren Aggressionen und den eigenen Interaktionsmustern auseinander zu setzen und neue adäquate Verhaltensweisen zu entwickeln und auszuprobieren.

Die Verweildauer beträgt je nach Haftzeit zwischen zwei und vier Jahren. In die Behandlung werden, soweit vorhanden, soziale Kontakte (Partnerin, Partner Familie, Freunde) mit einbezogen. Bedingt durch die Behandlungssituation existieren vielfältige externe Kontakte zu Behörden der Stadt Gelsenkirchen (Jugendamt, Kinderheime, Sozial- und Arbeitsamt etc.)

In der Sozialtherapeutischen Anstalt arbeiten ca. 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in interdisziplinären Teams zusammen. Die Teams bestehen aus Vertreterinnen und Vertretern des allgemeinen Vollzugsdienstes, des psychologischen und pädagogischen Dienstes, des Sozialdienstes und der Verwaltung.

Die SothA Gelsenkirchen ist seit Januar 1997 Mitglied der Berufsgruppe gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen.

Ansprechpartnerin:

Ilse Beßler
Munckelstr. 26
45879 Gelsenkirchen
Telefon: 0209 1556538

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